Naturschutz

Naturschutz im Naturpark
Die Entwicklung des Naturraumes in ständigem Einfluss der bäuerlichen Tätigkeit des Menschen in den letzten sechs-tausend Jahren hat in Europa Landschaften geformt, die in ihrer unglaublich reichen Artenvielfalt einzigartig sind. Wissenschaftliche Untersuchungen erbrachten, dass die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft in den letzten 30 Jahren einen katastrophalen Einbruch brachte und die Artenvielfalt fast bis auf die Hälfte zu eliminieren droht. Während die vom Menschen unberührte Urlandschaft im Nationalpark erhalten und regeneriert wird, kann dieser Reichtum der Natur als Erbe der Arbeit unserer bäuerlichen Vorfahren, nur im Rahmen einer traditionellen bäuerlichen Kulturlandschaft erhalten werden.

Was sind Naturparks:
Naturparks sind Areale, wo durch die Funktionen der traditionellen Landwirtschaft und das davon geprägte Landschaftsbild erhalten werden sollen. Dadurch kann das Erscheinungsbild der Landschaft und die in Jahrtausenden entstandene Artenvielfalt erhalten bleiben.

Schutzziel:
Artenvielfalt der Tier- und Pflanzenwelt in Harmonie mit dem Menschen.

Frösche, Kröten, Unken, Molche und Salamander

Das Wort „Amphibium“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „doppellebig“, also im Wasser und auf dem Land lebend. Zu den Amphibien in unserer Gegend zählen die Froschlurche (Frösche, Kröten, Unken) und die Schwanzlurche (Molche, Salamander), die Einzelgänger sind. Bei einigen Plusgraden und feuchtem Wetter beginnen im Februar/März die Amphibienwanderungen. Sie verlassen ihre bis zu einige Kilometer entfernten Winterquartiere, um in Gewässer ihre Eier abzulegen, und wandern nach einigen Tagen zurück. Die Jungen atmen im mehrwöchigen Larvenstadium mit Kiemen.

Schutzmaßnahmen im Naturpark Raab
Viele Amphibien kommen auf der Wanderung zu den Laichgewässern im wahrsten Sinn des Wortes unter die Räder, wenn sie auf ihren Wanderrouten Straßen überqueren. Sie verlassen ihre einige Kilometer entfernten Winterquartiere, um in Gewässer ihre Eier abzulegen, und wandern nach einigen Tagen zurück. Aus diesem Grunde werden seit vielen Jahren im Naturpark Raab an vier stark frequentierten Stellen Amphibienzäune aufgestellt. Mit den in die Erde eingelassenen Kübeln werden Kröten, Frösche und Molche zum Laichgewässer gebracht. Im Monat März 2008 nahmen an der slowenisch-österreichischen Grenze im Ortsteil Kalch der Marktgemeinde Neuhaus am Klausenbach 1.470 Erdkröten (84 % Männchen), 13 Grasfrösche und zwei Teichmolche den „Gratistransport“ über die Landesstraße zum Laichgewässer in Anspruch. In der Stadtgemeinde Jennersdorf Richtung Grieselstein waren es 758 Erdkröten, 174 Springfrösche, neun Grasfrösche, fünf Grünfrösche und 32 Molche und in der Marktgemeinde St. Martin an der Raab, im Ortsteil Welten, waren es 203 Erdkröten, 465 Springfrösche, drei Grasfrösche und 24 Molche.

Lebensräume werden immer enger
Amphibien – ausgenommen Wasserfrösche und Unken, die im oder in der Nähe des Wassers leben – bevorzugen Wälder, Wiesen, Feldraine, Hecken und Hausgärten und feuchte Lebensräume wie Aulandschaften und Ränder von stehenden und fließenden Gewässern.

Frösche, Kröten und Unken
Frühaufsteher: Schneewanderung des Springfrosches
Der zierliche, braune Springfrosch zieht schon im Februar los und laicht als erster ab. Den hohen und weiten Sprüngen aufgrund der langen Hinterbeine verdankt er seinen Namen.

Der Springfrosch (linkes Foto) unterscheidet sich vom Grasfrosch, die oft ähnlich gefärbt sind, durch den schlankeren Körperbau und die spitze Schnauze.
Der Grasfrosch ist geduldig: jedes Gewässer und jeder Lebensraum ist ihm recht

Grasfroschmännchen mit auffallend blauer Kehle (nur in der Laichzeit) im Gartenteich (16. März 2008)

Grünfrösche leben in der Nähe des Wassers und überwintern an Land. Die Körperoberseite der tag- und abendaktiven, kurzbeinigen Grünfrösche ist meist grün – seltener bräunlich – mit dunklen Flecken und einem hellgrünen Streifen entlang der Rückenmitte. Sie ernähren sich auch von jungen Fröschen. Die vorhin erwähnten Frösche haben eine Lebenserwartung von bis zu 10 Jahren.
Laubfrosch: das Chamäleon unter den Fröschen
Mit max. 5 cm Länge ist der Laubfrosch unser kleinster Frosch mit glatter grasgrün glänzender Haut, die er dem Untergrund anpassen kann: Von gelb über hellbraun bis hellgrau sind alle Farben möglich. Die Bauchseite ist weiß. Ein dunkler Flankenstreifen zieht sich vom Nasenloch über Auge und Trommelfell bis zur Hüfte. Die überwiegend nachtaktiven Kletterer sonnen sich tagsüber. Bei Bedrohung sondern sie Unmengen von Schleim ab und geben Abwehrlaute von sich. Laubfrösche können ein Alter von 20 Jahren erreichen.
Die Klettermaxe gehen sogar an Wänden hoch. Laubfrösche sind die einzigen einheimischen Frösche, die klettern können: Mit scheibenförmigen Haftballen an den Finger- und Zehenspitzen ausgestattet klettern sie nicht nur in Hecken, an Waldrändern und Bachufern in das Blattwerk von Bäumen und Sträuchern und in feuchten Wiesen und Sümpfen an Pflanzen hoch, sondern meistern sogar senkrechte Wände und Fensterscheiben (Saugnapf-Effekt).

Erwachsener Laubfrosch auf einer Weide und junger Laubfrosch kurz nach der Metamorphose auf einem Obstbaum
Die Kunst des Tarnens: Wechselkröten fallen mit ihren grünen Flecken (nicht) auf

Die Wechselkröte ist mittelgroß und besitzt eine kontrastreiche Färbung mit grünen Flecken auf hellem Grund und kann ihre Färbung rasch der Umgebung anpassen. Sie werden ca. 10 Jahre alt. Die Paarungsrufe der Wechselkröten (ein melodisches Trillern: „ürr…ürr…ürr..“) sind von Anfang April bis Juni zu hören.

Erdkröten werden bis zu 40 Jahre alt. In relativ kurzer Zeit finden sich Erdkröten in großen Massen an den Laichgewässern ein. Die Männchen sind durch ihren Lockruf „öäck, öäck“ weithin hörbar.
Tricks und Gifteinsatz zur Abwehr gegen Feinde: Die Erdkröte macht sich groß, indem sie den Körper mit Luft aufbläht und mit den Beinen von der Erde abhebt. Dies wirkt manchmal sogar gegen Ringelnattern! Über den ganzen Körper, besonders aber am Kopf, sind Giftdrüsen („Ohrdrüsen“) verteilt.
Wenn der Krötenregen einsetzt . . .
Die Eier beider Krötenarten werden in Laichschnüren an Wasserpflanzen geheftet. Die Kaulquappen sind relativ klein und zeigen ein ausgeprägtes Schwarmverhalten, das dem Schutz vor Fressfeinden dient. Nach zwei bis drei Monaten wandern hunderte Jungtiere gleichzeitig in der Dämmerung in die umliegende Landschaft – diese Erscheinung wird „Krötenregen“ genannt.
. . . und es dunkel wird
Die Kröten gehen in der Nacht auf Beutesuche. Besonders schlaue Erdkröten sitzen allabendlich neben dem Mast der Gehsteigbeleuchtung, unter Haus- und Hoflampen oder neben den solarbetriebenen Gartenleuchten und warten bis die vom Licht angezogenen Insekten kommen bzw. auf den Boden fallen.
Warntarnung: Gelbbauchunke wirft sich bei Gefahr auf den Rücken

Die Unken haben eine graubraune Oberseite mit zahlreichen Warzen (krötenähnlich) und eine schwärzliche bleigraue Unterseite mit auffälligen gelben bis orangefarbenen Flecken: Warntracht. Die tag- und nachtaktiven Tiere leben in allen Gewässern, sogar in Lachen von Fahrzeugspuren. Mit weit ausgestreckten Hinterbeinen ruhen sie an der sonnigen Wasseroberfläche und tauchen bei Gefahr in den Bodenschlamm ab. Den Unken fehlt die Schallblase. Ihr unverwechselbarer klangvoller Ruf „uuu – uuu – uuu “ in Abständen von ca. einer Sekunde wird auch „Unkenläuten“ genannt. Bei Gefahr werfen sie sich auf den Rücken, Unkenreflex genannt, und signalisieren Feinden Giftigkeit oder Ungenießbarkeit und sondern aus Hautdrüsen ein Sekret ab, das die Schleimhäute reizt.
Ohne großen finanziellen und zeitlichen Aufwand können Sie in Ihrem Hausgarten unter einem Obstbaum ein Biotop schaffen: Eine kleine Wanne mit flachem Rand im Halbschatten in der Erde eingegraben – gefüllt mit Wasser, etwas Erde, einigen Steinen, trockenem Laub und einem grünen dünneren Weidenast, der über den Rand hinausragt, – wird schon nach wenigen Wochen von Gelbbauchunken angenommen. Die kleinen frechen „Mitbewohner“ ernähren sich von Würmern, Nacktschnecken und Wasserinsekten, bleiben jahrelang an einem Ort und erreichen ein Alter von ca. 20 Jahren.
Gelbbauchunke beim Sonnenbad im Wasser in ihrer Wohnung: flacher Wasserbehälter unterm Obstbaum

Schwanzlurche
Mit einem langgestreckten Körper und vier in etwa gleich langen Beinen bewegen sich Schwanzlurche an Land laufend fort. Die Kiefer sind mit Zähnen ausgestattet. Den überwiegend nachtaktiven Molchen und Salamandern fehlen Trommelfell und Mittelohr. Der Geruchsinn dürfte eine größere Rolle spielen als bei den Fröschen, Unken und Kröten. Bei feuchtwarmer Witterung sind sie auch tagsüber zu sehen.
Die Larven haben äußere Kiemenbüschel und ernähren sich ausschließlich von tierischer Kost: Kleinkrebse (Wasserflöhe, Bachflohkrebse), Insektenlarven, Amphibienlaich und Amphibienlarven. Kannibalismus möglich! Anders als bei Kaulquappen erscheinen bei den Molchlarven zuerst die Vorder-, dann die Hinterbeine. Der Schwanz bleibt ihnen am Ende der Entwicklung als praktische Schwimmhilfe erhalten.
Teichmolch
Der schlanke und feingliedrige bis zu 11 cm lange Molch wird 25 Jahre alt.

Feuersalamander
Die glatte, tiefschwarze Haut des Feuersalamanders ist mit gelben bis orangefarbenen kleineren und größeren unregelmäßigen Flecken übersät. Da kaum ein Tier dem anderen gleicht und sie sehr standorttreu sind, können sie leicht unterschieden werden.
Die Winterquartiere (Bodenspalten, Baumstümpfe und Erdhöhlen) werden Ende Oktober/Anfang November aufgesucht.
Der Feuersalamander ist lebend gebärend: Nach der Paarung trägt das weibliche Tier etwa acht bis neun Monate die Embryonen in Eihüllen aus. Während der Geburt platzen die Eihüllen und die Jungen entweichen ins Wasser. Die Metamorphose ist nach ca. zwei Monaten abgeschlossen.
Ausgerüstet mit seiner „Warntracht“ und den Hautdrüsensekreten hat der ausgewachsene Feuersalamander keine natürlichen Feinde zu fürchten und wird ca. 35 Jahre alt. Jungtiere fallen Laufkäfern und Wasserspitzmäusen zum Opfer.
Text und Fotos: Franz Lex

Fuchs
„Fuchs, du hast die Gans gestohlen“, heißt es in einem Kinderlied. Lebt der Fuchs tatsächlich von Hausgeflügel? Die Wissenschaft weiß es besser. Sie sagt, der Fuchs frisst so ziemlich alles, was er erwischen kann. Kalorienreiche Bissen sind ihm natürlich lieber als vegetarische.
Der Fuchs frisst in erster Linie Nagetiere („Mäuse“) und Hasen (besonders Kaninchen). Vögel spielen keine große Rolle, wenn man davon absieht, dass er in Möwenkolonien gerne die wehrlosen Jungen frisst. Häufig nimmt er Aas, Schlacht- und Haushaltsabfälle, gelegentlich Insekten und Regenwürmer. Obst, Beeren, Eicheln und sogar Getreidekörner runden den Speiseplan ab. Und das Hausgeflügel? Sofern es ihm zugänglich ist, verschmäht er es natürlich auch nicht.
Der Dezember ist der Monat des Jahres, in dem die Füchse am meisten aktiv sind. Jetzt beginnt nämlich die Ranzzeit. Die Rüden wandern viel umher und sind oft auch bei Tag zu sehen. Die Fähen verlassen den Bau hingegen erst bei einbrechender Dunkelheit zur Nahrungssuche.
An der Fortpflanzung nehmen auch schon Jungfüchse im Alter von 9 bis 12 Monaten teil. Schon im Jänner gibt es trächtige Fähen. Nach einer Tragzeit von weniger als zwei Monaten kommen in der Geborgenheit des Fuchsbaus durchschnittlich 4 – 6, maximal bis zu 12 Junge zur Welt. Sie sind typische Nesthocker mit geschlossenen Augen und Ohren und wiegen ca. 100 g. Allerdings haben sie bereits ein schütteres, wolliges, braunes Fell und eine weiße Schwanzspitze. Im Alter von drei Wochen können sie gehen und feste Nahrung zu sich nehmen, aber erst mit vier bis fünf Wochen beginnen sie, den Bau zu verlassen. Erst wenn sie drei bis vier Monate alt sind, können sie sich selbst mit Nahrung versorgen.
In den letzten Jahren hat die Zahl der Füchse deutlich zugenommen, Das hat mehrere Gründe. Der wichtigste ist wohl, dass die flächendeckende Tollwutimpfung der Füchse mit Hilfe von ausgelegten Ködern, in denen der Impfstoff enthalten ist, diese Krankheit in großen Teilen Europas ausgerottet hat. Das heißt, dass Füchse älter werden und mehr Nachkommen haben als früher. Auch die Bejagung ist deutlich zurückgegangen. Als für ein schönes, dichtes Winterfell noch hohe Preise gezahlt wurden, wurde der Fuchs mit verschiedensten Methoden (Abschuss, Fallenfang, Baubegasung) erlegt. Heute sind Fuchskappe und –jacke nicht mehr modern, geradezu verpönt.
Dennoch ist nicht zu erwarten, dass die Bestandszahlen des Fuchses so lange ins Unermessliche anwachsen, bis der letzte am Boden brütende Vogel, alle Mäuse und Hasen, vom teuren Hausgeflügel gar nicht zu reden, aufgefressen sind. Auch beim Fuchs regelt sich die Häufigkeit von selbst so, dass die Beutetiere nicht von Ausrottung bedroht sind.

Text: Dr. Friederike Spitzenberger

Eichhörnchen
Eichhörnchen gehören wie seine großen Verwandten, die Murmeltiere, zu den wenigen Säugetieren, die bei Tag aktiv sind. Da sie längst nicht mehr nur in Wäldern, sondern auch in Parks und Gärten zu Hause sind, sind die putzigen Tiere fast allen Menschen bekannt und werden von Groß und Klein geliebt.
Den ganzen Herbst über hat das Eichhörnchen mit größtem Eifer reife Hasel- und Walnüsse, Eicheln und Bucheckern einzeln im Boden vergraben oder in größeren Mengen in Baumhöhlen und unbenutzten Nestern versteckt. Diese kalorienreichen Samen braucht es als Wintervorrat, denn das Eichhörnchen hält keinen echten Winterschlaf. Besonders unwirtliches Wetter verschläft es allerdings im warm ausgepolsterten Nest. Dieses Nest befindet sich meist im oberen Teil von Bäumen, häufig ist es an den Stamm angelehnt und in mehreren von hier entspringenden Zweigen verankert. Es besteht aus zu einer Kugel zusammengezogenen Zweigen, die einen Durchmesser von ca. 40 cm hat. Der viel kleinere Innenraum ist mit weichem Material wie Gras, Moos, aufgefaserter Rinde etc. ausgepolstert. Es hat zwei Eingänge.
Rechtzeitig zu Beginn der kalten Jahreszeit, in der zweiten Novemberhälfte, ist der Haarwechsel in das neue warme Winterkleid abgeschlossen. Lange Haarbüschel schützen jetzt die Ohren vor dem Frost, auch die Fußsohlen sind behaart und das Fell ist als Ganzes länger und dichter. Der Schwanz ist fast doppelt so breit und dicht wie im Sommer. Beim Schlafen wird er wie eine Decke über den zusammengekauerten Körper gebreitet.
An schönen Wintertagen ist das Eichhörnchen putzmunter. Man kann es beim Fressen seiner Vorräte, aber auch beim Pflücken von Fichten- und anderen Nadelbaumzapfen beobachten. Diese werden im Maul zu einem sicheren Ort transportiert und zum Abnagen mit beiden Händen gehalten. Vom stumpfen Ende her werden die Deckschuppen abgebissen und die freigelegten Samen mit der Zunge aufgeleckt. Unter dem Fraßplatz bleiben die charakteristischen struppigen Zapfenspindeln und die Deckschuppen oft in großen Mengen liegen. Erregt schon der gute Appetit beim Verzehr der Zapfen beim Forstmann wenig Begeisterung, so ist das Abbeißen der Knospen von Endtrieben tatsächlich von forstschädlicher Bedeutung. Besonders gerne werden Fichten in der Wipfelregion von hungrigen Eichhörnchen „befallen“, wodurch das Wachstum des Baums beeinträchtigt wird.
Da das Eichhörnchen längst nicht alle im Boden versteckten Nüsse findet, treiben diese im Frühjahr aus und entwickeln sich zu Jungbäumen. Auf diese Weise unterstützt das Eichhörnchen die Arbeit des Försters, indem es tatkräftig zur Waldverjüngung beiträgt.

Text: Dr. Friederike Spitzenberger

Siebenschläfer
Der hübsche Name „Siebenschläfer“ ist ausnahmsweise zutreffend: Tatsächlich verbringt diese größte heimische Schläferart mindestens sieben Monate (meist von Oktober bis Mai) im echten Winterschlaf – die Körpertemperatur fällt von ca. 35° C auf 0,5° – 1° C, die Herzfrequenz von 450 Schlägen pro Minute (!) auf 35 und die Atmung setzt bis zu 50 Minuten lang völlig aus. Starr und kalt liegen sie in ihrem Winterlager auf dem Rücken, zu einer pelzigen Kugel eingerollt. Hände und Füße sind eigezogen, der lange buschige Schwanz ist über den Kopf gelegt und die Ohrmuscheln sind über den Gehörgang geklappt.
Anfang Oktober liegen fast alle Siebenschläfer schon im tiefen Winterschlaf. Nur magere Jungtiere aus späten Würfen, die sich noch nicht genug Winterspeck angefressen haben, bleiben gelegentlich bis November aktiv. Tiere, die sich im abgelaufenen Sommer nicht fortgepflanzt haben, können sich bereits ab August bei noch warmem Wetter unter die Erde zum Winterschlaf zurückziehen.
Nur selten verbringen Siebenschläfer den Winter in Höhlen starker, alter Bäume. Meistens benutzen sie unterirdische Hohlräume, die sie entweder selbst ausgegraben haben, oder die sie vorfinden, wie z. B. Fuchs- und Dachsbaue, Kellerräume, Hohlräume unter Fußböden. Man hat aber auch schon schlafende Siebenschläfer in Betten von Berghütten gefunden. Meistens schlafen sie in Gruppen. Es könnte sein, dass es sich dabei um Familien handelt, die sich gemeinsam zur Ruhe begeben, es könnte aber auch sein, dass ein schlafbedürftiger Siebenschläfer den Duftspuren, die die Sohlen eines Artgenossen hinterlassen, so lange folgt, bis er diesen im unterirdischen Quartier trifft.
Vor Eintritt des Winterschlafs werden Siebenschläfer enorm feist. Die Tatsache, dass sie fast unbegrenzt an Gewicht zulegen können, hat dazu geführt, dass die alten Römer sie in tönernen Käfigen regelrecht gemästet und dann verzehrt haben. Verschiedene Rezepte für die Zubereitung sind noch erhalten. Auf diesen merkwürdigen Gusto der Römer geht der englische Name des Siebenschläfers „Edible Dormouse“ = „Speiseschläfer“ zurück.
In den Wäldern Sloweniens und Kroatiens werden aber noch heute im Herbst mit Spezialfallen zigtausende Bilche, wie die Siebenschläfer auch heißen, gefangen und über dem Feuer geröstet. Auch ihr Fell wird zu Mützen und anderen Kleidungsstücken verarbeitet.
Nach dem Erwachen im Mai müssen die Siebenschläfer zuerst wieder zunehmen und zu Kräften kommen. Da dann nur mehr kurze 20 Wochen bis zum nächsten Winterschlaf bleiben, gebären Siebenschläfer nur einen Wurf, der aber aus bis zu 11 Jungen bestehen kann. Sie kommen erst im August zur Welt.
Bilche leben vor allem in Laub- und Mischwäldern und haben eine besonders enge Bindung an Rotbuche und Eiche. In Jahren, in denen es keine Mast gibt, findet keine Fortpflanzung statt. Wie die Siebenschläfer schon im Mai erkennen können, ob es im Herbst eine Mast geben wird oder nicht, ist bis heute unbekannt geblieben.

Text: Dr. Friederike Spitzenberger
Foto: Franz Lex (Im Sommer 2007 zog dieses Siebenschläferweibchen in unserem Hausgarten im Vogelnistkasten seine Jungen groß. An einem heißen Sommertag suchte es Abkühlung und hing stundenlang so da, weil es zu heiß in der „Hütte“ war. Da der Nistkasten auf ca. 5m Höhe am Kirschbaum angebracht ist, stellte ich eine kurze Stehleiter auf, um im Abstand von ca. 2 m noch bessere Fotos zu machen. Ein kurzer Blick zu mir war die einzige Reaktion, denn es kannte die Hausleute.)

Maulwurf
Wegen seiner Grabtätigkeit wurde der Maulwurf früher in Acker- und Grünland massenweise gefangen und vernichtet. Heute ist er auf Ackerflächen wegen Dünger- und Pestizideinsatzes, Gülleausbringung und Tiefpflügens so gut wie verschwunden und im Grünland ist er nur mehr lokal häufig. In Gärten wird er massiv verfolgt. Erstens „verunziert“ er den stets frisch gemähten Rasen und zweitens wirft man ihm fälschlich das Abfressen von unter der Erde liegenden Pflanzenteilen vor, weil man ihn mit der Schermaus verwechselt.
Im Juli ist die jährliche Fortpflanzungsperiode der Maulwürfe bereits abgeschlossen. Das Weibchen hat nach einer Tragzeit von 3 – 4 Wochen ihren meist einzigen Wurf, der bis zu sieben Junge umfassen kann, zur Welt gebracht. Die Neugeborenen wiegen ca. 6 g, sind nur 36 mm lang und ihre Haut ist nackt. Im Alter von 14 Tagen sprießen die ersten Haare, die Augen öffnen sich am 22. Tag nach der Geburt und erst im Alter von vier Wochen verlassen die Jungen das Nest. Bis dahin werden sie von der Mutter gesäugt.
Das Nest befindet sich entweder in einer unterirdischen Nestkammer, oder – wenn der Maulwurfsbau nahe beim Grundwasserspiegel liegt – auf dem Boden, wo es mit einem Erdhaufen bedeckt wird. Das Nest ist ein kompakter Ball mit einem Durchmesser von 25 – 30 cm. Es besteht aus Gras, Stroh oder Blättern, in seinen innersten Teil wird täglich frisches Pflanzenmaterial eingetragen.
Während lebende, aber auch tote Maulwürfe eher selten zu finden sind, sind ihre Baue durch die Hügel, die aus beim Graben anfallender Erde bestehen, sehr auffällig. Allerdings sind sie nicht leicht von den Hügeln der Schermaus zu unterscheiden. Maulwurfhügel sind rund (nicht länglich wie bei der Schermaus), regelmäßig in Linien angeordnet und die Gänge sind eher queroval (nicht hochoval). Anders als der Name vermuten lässt („Maul“wurf), wird die Schnauze niemals zum Graben im Boden benutzt. Diese schwere Arbeit wird von den mit langen Nägeln bewehrten, breiten Händen verrichtet. Das Umdrehen in der Röhre wird in Form eines Saltos durchgeführt, wobei dem Maulwurf das Samtfell, das sich in alle Richtungen streichen lässt, sehr zugute kommt. Wegen des hohen CO2-Gehalts der Luft im Bau hat der Maulwurf eine sehr große Lunge und zahlreiche rote Blutkörperchen.
In seinem unterirdischen Reich mit einer Ausdehnung von ca. 300 m2 und einer Ganglänge bis zu 300 m pro Individuum fängt der Maulwurf seine Nahrung. Sie besteht zu fast 50 % aus Regenwürmern, der Rest sind Larven verschiedener Insekten. Bevor ein Regenwurm verzehrt wird, streicht der Maulwurf den Darminhalt mit der Hand heraus. Alle Tiere bis zu Mausgröße, die in seine Röhren fallen, werden ebenfalls verspeist. Zu Beginn des Winters legt der Maulwurf in der Nähe des Nestes Regenwurmvorräte an. Bis zu 790 durch Biss in den Kopf verletzte Regenwürmer hat man in einer einzigen Vorratshaltung schon gefunden! Sofern der Vorrat nicht aufgebraucht wird, erholen sich die immer kühl gehaltenen Regenwürmer wieder und können im Frühjahr ihr Gefängnis verlassen.
Der Appetit des Maulwurfs ist groß: Die schwereren Männchen fressen täglich bis zu 74 % des Körpergewichts (durchschnittlich 100 g), die leichteren Weibchen, die durchschnittlich 85 g schwer werden, verschlingen bis zu 89 % ihres Gewichts. Körpergröße und –gewicht der Maulwürfe schwanken in Abhängigkeit von der Tiefe und Fruchtbarkeit des Bodens stark. In seichten, trockenen Böden leben kleine, in tiefen, feuchten Böden große Maulwürfe.

Text: Dr. Friederike Spitzenberger

Waldspitzmaus
Aufmerksame Wanderer finden im September auf Wegen, die durch Wald und über Wiesen führen, kleine tote Säugetiere. Ihr Fell ist braun. Sie haben einen langen Kopf mit spitzer Schnauze und einen fast kahlen Schwanz. Es handelt sich um Waldspitzmäuse, die am Ende ihres kurzen und hektischen Lebens hier einfach tot umgefallen sind.
Waldspitzmäuse kommen im Frühjahr oder Sommer als eines von bis zu elf Kindern eines Wurfs zur Welt, pflanzen sich im nächsten Jahr selbst fort und sterben spätestens im Alter von zehn Monaten. Im August sind Waldspitzmäuse deshalb häufig (bis zu 10 Individuen pro Hektar wurden gezählt), den Winter überleben jedoch nur wenige. Im März beträgt die Dichte nur 4 Individuen pro Hektar.
Weil Waldspitzmäuse so klein sind (ihr Körpergewicht beträgt in der Regel 6 – 10 g), haben sie einen ungeheuer großen Nahrungsbedarf. Eine erwachsene Waldspitzmaus frisst täglich bis zu 77 % ihres Körpergewichts! Die Nahrung besteht aus Käfern, Spinnen, Weberknechten, vor allem aber aus Regenwürmern und Schnecken. Gelegentlich werden auch neugeborene Feldmäuse verzehrt. Die Beutetiere werden mit den Schneidezähnen erfasst und, ohne getötet zu werden, mit rasender Eile verschlungen.
Wenn die Beutetiere im Winter eine Ruhephase einlegen, kommt auf die ständig hungrige und dann auch frierende Waldspitzmaus ein echter Engpass zu. Sie kennt weder Winterschlaf noch Winterruhe, ihr fehlt auch jede Möglichkeit in wärmere Gefilde zu entfliehen. Ihre Anpassung an Kälte und Nahrungsknappheit ist so unglaublich, dass sie erst in den 1950er Jahren entdeckt wurde. Im Herbst verringert sich nicht nur das Körpergewicht drastisch, sondern auch Größe und Gewicht von Herz, Nieren, Leber und Gehirn gehen markant zurück. Die Schädelkapsel, die bei einer jungen Waldspitzmaus gewölbt ist, wird durch Knochenumbau flach und niedrig. Bereits im Februar dreht sich dieser Schrumpfungsprozess um, alle Organe wachsen wieder an und erreichen höhere Werte als im letzten Sommer.
Waldspitzmäuse sind hektisch unterwegs. Sie verteidigen mittels heftiger Kämpfe ein eigenes Nahrungsterritorium, das je nach Nahrungsreichtum 400 bis 2800 m2 groß ist. Darin legen die Tiere im Zickzackkurs laufend bis zu 2.5 km pro 24 Stunden zurück. Nach Aktivitätsperioden von durchschnittlich 85 Minuten legt die Waldspitzmaus eine kurze Ruhephase ein. Weibliche Waldspitzmäuse sind besonders gestresst. Sie bringen nach einer Tragzeit von ca. 20 Tagen bis zu drei Würfe zur Welt. Die Jungen haben ein Geburtsgewicht von 0,4 g, sind nackt, blind und taub. Erst am 20. Tag können sie das Nest verlassen, werden jedoch bis zum 25. Tag von der Mutter gesäugt.
Haben Sie sich gefragt, warum die tot am Weg liegenden Waldspitzmäuse nicht von Fuchs und Marder gefressen werden? Spitzmäuse haben auf den Körperseiten Drüsen, die einen strengen Geruch verbreiten. Ihre Funktion ist nicht genau bekannt, doch wird angenommen, dass sie eine Rolle bei der Paarung spielen. Jedenfalls werden Spitzmäuse außer von Eulen, die keinen Geruchssinn haben, als Beute generell verschmäht.

Text: Dr. Friederike Spitzenberger

Feldhase
Wer kennt nicht Meister Lampe, der im März wie wahnsinnig auf den Feldern herumtollt, zu Ostern die Eier bringt und – viele Jäger sind des Hasen Tod – im Herbstnebel auf abgeernteten Äckern zur Strecke gelegt wird?
Der Feldhase war ursprünglich ein Steppenbewohner, heute lebt er in unserer Kulturlandschaft auf Äckern und Wiesen, recht selten auch im Wald. Er selbst ernährt sich ausnahmslos von Pflanzen, ist aber mit 3,5 bis 5 kg Körpergewicht die Vorzugsbeute für viele Greifvogelarten ab Bussardgröße, für Uhu und Fuchs.
Seine Gestalt und sein Verhalten sind daher von der Notwendigkeit, in der offenen Landschaft jederzeit den Feind erkennen und vor ihm fliehen zu können, bestimmt. Dazu dienen z. B. seine merkwürdigen Proportionen: Ohren und Hinterfüße sind etwa gleich lang, der Schwanz ist ein wenig kürzer. Der Kopf ist im Vergleich zum Körper ziemlich groß und die Augen sitzen knapp vor den Ohren hoch oben auf der Stirn und blicken zur Seite und nach oben. So kann er auf den anschleichenden Fuchs lauschen, den Himmel nach Greifen absuchen und im Fall des Falles urplötzlich in einen Sprunggalopp verfallen und Haken schlagend mit bis zu 70 Stundenkilometern flüchten. Bei diesem Sprunggalopp setzen die Hinterbeine weit vor den Vorderbeinen auf, der Rücken krümmt und streckt sich und kurzzeitig sind alle vier Extremitäten in der Luft. Die Sprungkraft ist gewaltig: Bei knapp 60 cm Körperlänge springt der Hase bis zu 2,7 m weit und 3 m hoch.
Der Feldhase hat keinen Bau und kein Nest, in denen er sich verstecken könnte. Wenn er ruht, liegt er flach in einer Mulde, der Sasse, und tarnt sich mit Hilfe seiner Färbung. Auch die Jungen kommen am freien Feld zur Welt. Sie sind ab Geburt voll behaart und können sehen und sich bewegen. Bei Gefahr drücken sie sich bewegungslos auf den Boden. Im Alter von vier Tagen trennen sich die Jungen eines Wurfs und verstecken sich einzeln in einiger Entfernung vom Setzplatz. Sie werden nur einmal täglich gesäugt. Zum Säugen treffen sie sich in der Nähe des Setzplatzes. Etwa eine Stunde nach Sonnenuntergang kommt die Häsin und säugt jeden Junghasen ca. 3 Minuten lang. Trotz aller Vorsicht kommen nur wenige Junghasen durch – sie werden Beute von Rabenvögeln, kleinen Greifen und Raubtieren.
Um die hohe Ausfallsrate zu kompensieren, sind Hasen ungewöhnlich fruchtbar. Unter günstigen Umständen kann eine Häsin pro Jahr 20 Nachkommen haben. Ohne Pause folgt eine Trächtigkeit nach der anderen und in Ausnahmefällen kann eine neue Trächtigkeit schon vor der Geburt der Föten beginnen.
Besonders am Beginn der Paarungssaison fallen Hasen durch lebhafte Paarungsspiele, die bei Tag stattfinden, auf. Sie treffen sich in Gruppen am Rammelplatz, verfolgen einander rennend, Männchen und Weibchen liefern sich heftige Auseinandersetzungen, die Boxkämpfen ähneln, bevor das Weibchen endlich in die Paarung einwilligt.
Zu intensive Landwirtschaft hat die Bestände des Feldhasen in der Kulturlandschaft stark dezimiert. Er war einst ein häufiges Niederwild – in optimalen Revieren lag die jährliche Strecke bei bis zu 90 Hasen pro 100 ha. Derzeit ist in manchen Jahren die Dichte so gering, dass die Jagd zwecks Erholung der Bestände in manchen Revieren ganz eingestellt wird.

Text: Dr. Friederike Spitzenberger

Fledermäuse: Wimperfledermaus
Sie ist mittelgroß (das Körpergewicht beträgt 7 – 9 g) und unterscheidet sich von allen anderen heimischen Fledermäusen durch rostbraune Fellfärbung und leicht gekräuselte Rückenhaare. Ihren deutschen Namen hat sie nicht etwa wegen langen Augenwimpern, sondern wegen unregelmäßig verteilter, dünner Härchen, die die Schwanzflughaut überragen, erhalten.
Anders als die meisten Fledermausarten ist die Wimperfledermaus im Siedlungsgebiet recht häufig auch bei Tag zu sehen. Alleine oder in kleinen Gruppen halten sich die kleinen Gesellen unter dem vorspringenden Hausdach, besonders gerne in Winkeln zwischen den Sparren, auf. Der Bauch ist an die Unterlage angepresst, der Kopf weist nach unten. Die Anwesenheit der Untermieter ist leicht an den Kotkrümeln, die unter dem Hangplatz am Boden liegen, zu erkennen. Fledermausfreunde, die Jahr für Jahr und tagtäglich zu „ihren“ Fledermäusen schauen, werden bald entdecken, dass diese im Frühjahr ihre Plätze einnehmen und im August wieder verlassen. Nach dem nächtlichen Jagdflug landet jedes Individuum fast immer am selben Ort wie am Vortag und im letzten Jahr. Es handelt sich vermutlich ausschließlich um Männchen, die im Sommer von den Weibchen getrennt leben.

Die Weibchen befinden sich zu dieser Zeit in größeren oder kleineren Gruppen in den Fortpflanzungsquartieren, den so genannten Wochenstuben, in warmen (25 – 30° C) Dachböden von Gebäuden ganz unterschiedlicher Größe (Burgen und Schlösser aber auch Einfamilienhäuser). Sie gebären und ziehen dort ihr einziges Junges auf. Im Burgenland befindet sich im Dachboden der Burg Lockenhaus mit mehr als 1000 Weibchen eine der größten Fortpflanzungskolonien Europas.
Den Winter verbringen Wimperfledermäuse in warmen (durchschnittlich 9° C) Höhlen, Stollen und Kellern. Sie verstecken sich dort in Fels- oder Mauerspalten, aber auch in Bodengeröll. Zwischen den Sommer- und Winterquartieren werden nur geringe Entfernungen (weniger als 100 km) zurückgelegt.
Die mittlere Lebenserwartung beträgt ca. 3 Jahre, das bisher bekannte Höchstalter jedoch 15.5 Jahre.
Wimperfledermäuse leben in gut strukturierter Kulturlandschaft mit (Schloss)parks, Obstgärten, Einzelbäumen, Laub- und Mischwäldern und Wasserflächen. Sie jagen am Rand von mit zahlreichen Bächen durchzogenen Nadel- und Mischwäldern, in alten Obstgärten mit dicht verwachsenen Büschen, an Mauern, in Kuhställen, über Misthaufen und Wasserflächen. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Spinnen, aber auch aus einer Reihe verschiedener Insektengruppen, die von Oberflächen (Laub oder Blättern) bzw. Stallwänden (Fliegen) abgelesen werden.

Text:Dr.Friederike Spitzenberger

Insekten
Wiesen müssen, gemäß den Öpul-Richtlinien, jährlich gemäht werden. Durch die Mahd wird der Anwuchs von Gehölzen verhindert und die Blumenwiesen bleiben so erhalten, wie wir sie schätzen. Leider werden Schmetterlinge und viele andere Arten von Wiesentieren, die in den wenigen restlichen Wiesenflächen überlebten, immer seltener. Die Auniwaundn geht hier einen neuen, erfolgversprechenden Weg.
Die Mahd, die kritische Zeit im Leben der Wiesentiere.

Die Wiesentiere kommen durch die Mahd in eine gefährliche Situation. Wenn sie die Mähmaschine überleben, dann finden sie sich von einem Moment auf den anderen plötzlich ohne Deckung in einer kahlen Umgebung. Nur wenige Wiesentiere überleben diese kritische Zeitphase im Kräuterstreifen eines Feldrains oder im Staudensaum eines Wegrands und können die nachwachsende Wiese wieder besiedeln.

e Wiesentieren fehlt der Unterschlupf.

Es gibt heute fast keine Feld- und Wiesenraine mehr, Wegränder und Böschungen werden mit dem Schlägler gemulcht. Im faulenden Mulch können keine Insekten überleben. Raupen und Puppen der Schmetterlinge finden keine schützende Vegetation, wo sie diese Phase überleben können, in der die Wiesenpflanzen kurzgeschnitten sind. Besonders im Winter ist ein Rückzugsbereich für die Wiesentiere von großer Bedeutung. Viele überwintern als Eier, Larven oder Raupen und brauchen einen Bereich, wo sie etwas vor den rauen Winden geschützt sind und sich vor Jägern verstecken können.

Der Schmetterlingstreifen hilft den Wiesentieren. Der Schmetterlingstreifen dient dazu, Wiesenblumen, Wiesentiere, vor allem Schmetterlinge und andere Wieseninsekten zu schützen.
Der Schmetterlingstreifen wird angelegt, indem ein Streifen im Ausmaß von 6 – 10% der Fläche der Naturwiese, der frei in der offenen Fläche liegen sollte, im ganzen laufenden Jahr nicht gemäht wird. Im nächsten Jahr wird der Standort des Streifens gewechselt. Dann muss der alte Schmetterlingstreifen gemäht werden und der neue Schmetterlingstreifen wird auf der Fläche daneben das ganze Jahr erhalten. Hierher können die Insekten flüchten, wenn sie nach der Mahd keinen Unterschlupf finden. Hier befestigen die Wiesentiere ihre Eier an Stängel oder Blättern und hierher verkriechen sie sich im Winter, weil sie durch die trockenen Pflanzenteile vor ungünstiger Witterung geschützt sind.

Auf landwirtschaftlichen Flächen wird der Schmetterlingstreifen aus dem ÖPUL 2007durch EU, Republik Österreich und Land Burgenland gefördert.

Schmetterlingstreifen im Garten:
Eine gute Idee, um etwas Natur in unsere Gärten zu bringen. Voraussetzung ist, dass wir eine Naturwiese im Garten haben, die durch ein bis zwei Mahden mit Sense oder Balkenmäher jährlich gepflegt wird.

Wenn im Garten keine Naturwiese besteht, dann können wir einen Wildkräuterbereich anlegen. Hier können wir einen Streifen von mindestens einem Meter Breite das ganze Jahr über ungemäht belassen. Viele Schmetterlinge, Heuschrecken, Schwebfliegen und Wiesenkäfer werden uns diese Rücksicht danken.

Nicht vergessen!!!
Im nächsten Jahr (oder im Garten auch im übernächsten Jahr) den Streifen abmähen und direkt daneben einen Streifen das ganze folgende Jahr ungemäht stehen lassen.

Text: Dr. Joachim Tajmel
Fotos: Franz Lex

Fledermäuse: Großes Mausohr

In Österreich gibt es 25 Fledermausarten. Fledermäuse sind sehr sensible Lebewesen, deren Gedeihen anzeigt, wie hoch die Qualität der Umwelt und des Naturraums ist.

Der Verein BatLife Österreich (Gesellschaft für Fledermausforschung und Fledermausschutz), c/o Naturhistorisches Museum, Wien, hat sich die Erhaltung dieser „Könige der Nacht“ und ihrer Lebensräume in unserem Land zum Ziel gesetzt.
„Fledermausschutz kann nur erfolgreich sein, wenn sich Leute vor Ort für ,ihre’ Schützlinge einsetzen“, so Dr. Friederike Spitzenberger, Präsidentin von BatLife. Aus diesem Grunde wurden im Burgenland im Frühjahr 2006 Fledermausquartier-Betreuer ausgebildet und dadurch ein Netzwerk von ehrenamtlichen Fledermausfreunden geschaffen.

Blick in die Wochenstube des Großen Mausohrs

Großes Mausohr
Im April treffen sich die Weibchen des Großen Mausohrs in ihren Fortpflanzungsquartieren. Den Winter haben diese Fledermäuse in frostsicheren unterirdischen Räumen wie Naturhöhlen, Stollen oder Kelleranlagen verbracht. Die Entfernung zwischen dem Winterquartier und den Fortpflanzungsquartieren beträgt in der Regel nicht mehr als 50 – 100 km. Diese Art ist ein schneller und ausdauernder Flieger. Längere Strecken werden mit einer Geschwindigkeit von 50 km/h zurückgelegt. Die durch Auffindung eines markierten Großen Mausohrs belegte längste Wanderung war 436 km lang.
Mit einem Körpergewicht bis 40 g und einer Flügelspannweite bis 43 cm ist das Große Mausohr die größte österreichische Fledermaus. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt zwei bis vier Jahre, das durch Beringung ermittelte Höchstalter liegt aber bei 22 Jahren.
Die Fortpflanzungsquartiere („Wochenstuben“) befinden sich in der Regel in großen warmen Dachböden mit möglichst stabilem Mikroklima. Hier finden sich 50 bis 2000 Weibchen zu Geburt und Aufzucht ihrer Jungen zusammen. Pro Weibchen und Jahr wird nur ein Junges, sehr selten zwei Junge geboren. Nicht alle Weibchen nehmen alljährlich an der Fortpflanzung teil. Eine Wochenstuben-Kolonie kann mehrere Quartiere benutzen, die bis zu 35 km weit voneinander entfernt sein können. Bei Quartierwechsel werden kleine Jungtiere im Flug mitgenommen.
Im Herbst verlassen zuerst die Mütter und später die Jungtiere ihre Wochenstube. Nach der Paarung beziehen sie ab Oktober gemeinsam mit den Männchen wieder die Winterquartiere.
Das Große Mausohr lebt in Europa von Portugal bis zur Ukraine sowie in Anatolien und in der Levante. Es war ursprünglich eine Fledermaus mediterraner Großhöhlen. Nach dem Ende der letzten Eiszeit breitete es sich aber weit nach Norden aus, wobei im Sommer die Dachböden großer Gebäude einen Ersatz für die Höhlen boten. Nach einem vermutlich durch landwirtschaftliche Pestizide bedingten Bestandseinbruch zwischen 1950 und 1970 erholten sich die Bestände in den 1980er und 1990er Jahren deutlich und nachhaltig.
Das Große Mausohr jagt zu 75 % im Wald, vor allem im Laubwald. Optimal sind Hochwälder ohne Strauch- und Krautschicht mit weit auseinander stehenden Stämmen. Diese Wälder ermöglichen ungehinderten Zuflug und hindernislose Bodenjagd auf große (> 1 cm) Lauf- und Blatthornkäfer, die vom Boden aufgesammelt werden. Der tägliche Nahrungsbedarf ist sehr groß. Ein säugendes Weibchen braucht pro Nacht 18 g Nahrung, das entspricht ca. 100 Käfern. Jedes Weibchen besitzt ein individuelles Jagdgebiet, das zwischen 0.3 und (in wenig produktiven Wäldern) 50 ha groß ist. Diese Jagdgebiete befinden sich maximal 17 km, meist jedoch in weniger als 10 km vom Quartier entfernt.
Bei der Suche nach Beute kreisen Große Mausohren in langsamem Kreisflug knapp über dem Boden. Ihre Lieblingsnahrung, große, flugunfähige Laufkäfer, entdecken sie entweder mit Hilfe der Echoortung im Ultraschallbereich, oder sie lauschen auf die Geräusche, die die Beute selbst erzeugt. Nimmt ein Großes Mausohr einen Käfer wahr, landet es mit ausgebreiteten Flügeln, erfasst ihn mit dem äußerst kräftigen Gebiss und frisst ihn im Flug.

Text: Dr. Friederike Spitzenberger

Fledermäuse zählen zu den am meisten bedrohten Tierarten. Das Burgenland galt in der Vergangenheit für die fliegenden Säugetiere als kleines Paradies. Leider nehmen die Fledermausbestände nahezu im ganzen Burgenland ab.
Das größte Problem im Fledermausschutz sind:
– der Einsatz von Insektemvertilgungsmittel,
– die Vergitterung von Dachböden,
– die Verwendung von giftigen Holzschutzmitteln auf Dachstühlen und
– das Verschwinden der hohlen Bäume in den Wäldern und Streuobstwiesen.
Infos und Foto: Franz Lex

Igel im Garten
Den Igel zählt man erdgeschichtlich zu den ältesten noch lebenden Säugetierarten. Er steht unter Naturschutz. Wer einen Igel in seinem Garten hat, kann sich glücklich schätzen, denn dieses stachelige Säugetier hat Schnecken zum Fressen gern.
Im März erwachen die Igel allmählich aus dem Winterschlaf. Im Herbst des Vorjahres hatten sie sich an geschützten Stellen in Gestrüpp oder an Baumwurzen ein wetterfestes Nest aus Laub oder Gras errichtet. Solche Winterschlafnester haben einen Durchmesser von mehr als einen halben Meter und 20 cm dicke Wände. Sie bestehen aus einer, selten zwei Kammern. Während des Winterschlafs war die Körpertemperatur auf + 1 bis + 8 °C gesunken, der Herzschlag hatte sich auf fünf Schläge pro Minute und die Atemfrequenz auf 1-2 Atemzüge pro Minute abgesenkt.
Wenn der Frühling ins Land zieht und bei zunehmenden Temperaturen auch wieder Nahrung für den Igel zur Verfügung steht, wird der Winterschlaf beendet. Dabei steigt innerhalb weniger Stunden die Körpertemperatur um mehr als 30°C an. Die Energie für diese Heizleistung kommt von einem Fettorgan, das zwischen den Schulterblättern liegt. Es enthält leicht abbaubares Fett, das im Herbst angelegt wird. Zuerst werden Herz und Gehirn mit warmem Blut versorgt. Später unterstützt Muskelzittern den Aufwachvorgang.
Der erwachte Igel hat im Vergleich zum Herbst stark an Gewicht verloren. Da er als Allesfresser bei seiner Ernährung äußerst vielseitig ist, hat er in einer einigermaßen intakten Kulturlandschaft keine großen Probleme, sein Gewicht, das maximal etwas mehr als ein Kilo beträgt, wieder zu erreichen. Er frisst Raupen, Käfer und vor allem ihre Larven, Tausendfüßer, Ohrwürmer, Regenwürmer und Schnecken, Später im Jahr kommen Gras und diverse Früchte dazu. Gelegentlich frisst er auch einen Frosch, junge Vögel und Mäuse.
Mit dem Frühling erwacht auch wieder das Interesse am anderen Geschlecht. Die Männchen beginnen ihr Liebeswerben mit heftigem Treiben des Weibchens, dieses boxt und schnauft bevor es zur Paarung bereit ist. Dabei – angesichts des äußerst spitzigen Stachelkleids kann man es kaum glauben – steigt das Männchen auf den Rücken des Weibchens, das mit flach ausgestreckten Hinterbeinen am Bauch liegt.
Die Männchen sind von April bis August zeugungsfähig, trächtige Weibchen trifft man von April bis Oktober an. Späte Würfe werden nur dann gesetzt, wenn im Frühling alle Jungen gestorben sind. Die Trächtigkeit dauert etwas mehr als 30 Tage, die Jungen werden in einem großen, extra dafür hergestellten Wurfnest geboren. Maximal werden neun Junge gesetzt. Sie kommen nackt und blind zur Welt, werden vier bis sechs Wochen lang gesäugt und verlassen bereits im Alter von 22 Tagen für kurze Zeit das Nest.
Nachdem die Jungen entwöhnt sind, trennen sich die Wege der Mutter und Geschwister. Igel sind echte Einzelgänger, ihre Nahrung suchen sie in einem eigenen Territorium, das sie gegenüber Artgenossen verteidigen.
Im Naturpark Raab kommt der Ostigel vor, der vom in Westösterreich verbreiteten Westigel artlich unterschieden ist. Es gibt keine Bastarde zwischen den beiden Arten in der freien Natur.
Text: Dr. Friederike Spitzenberger

Gefahren für Igel

Generell sollte man im Garten auf Spritzmittel verzichten und insbesondere kein Schneckenkorn auslegen.

Gartenteiche sind mit flachen Ufern anzulegen, Kellerschächte, Gruben und Wasserbehälter sind so abzusichern, daß kein Igel hinein fallen kann.
Da Igel Wildtiere sind, sollten sie grundsätzlich nicht gefüttert werden. Das Futter kann Verdauungsstörungen verursachen und zieht außerdem streunende Hunde und Katzen, Marder, Dachse und Füchse an.

Als natürliche Feinde gelten Uhu, Fuchs und Dachs. Jedoch sind auch Hunde und Katzen gefährlich für die stacheligen Vierbeiner und ihre Jungen.

Lebensraum
Igel leben am liebsten in Siedlungsrandgebieten, in Gärten und Parks, in Wäldern, Streuobstwiesen und in reich strukturierten Kulturlandschaften, wo neben einem ausreichenden Nahrungsangebot auch genügend Hecken, Gebüsch, mit Stauden und Sträuchern bewachsene Feldraine, dichte Waldränder und Holz- und Reisighaufen als ideale Verstecke zur Verfügung stehen.

Während des Tages schläft der Igel in seinem Versteck und geht erst bei Einbruch der Dämmerung auf Nahrungssuche. Damit er sich auch in Ihrem Garten so richtig wohl fühlt, ein paar Tipps:

Mit einer naturnahen Gartengestaltung können Sie Lebensräume für Igel schaffen, wo sie kleinräumige Strukturen vorfinden und dort tagsüber schlafen bzw. ihre Jungen aufziehen und den Winterschlaf halten können. Lassen Sie das Herbstlaub unter den Sträuchern liegen. Igel benötigen es für ihre Winterquartiere und finden unter der Laubschicht noch viele Kleinlebewesen, die ihnen als Nahrung dienen können.
Gerne nehmen sie auch einen hohlen nicht zu dicken Baumstamm (1 – 1,50 m lang), den Sie unter Sträuchern „verstecken“, als Quartier an. Schließen Sie mit Brettern eine Öffnung des hohlen Baumstammes komplett und die zweite Öffnung bis auf ein dementsprechendes Einschlupfloch. Bereitgelegtes Heu und Stroh werden gerne als Nistmaterial angenommen.
Holz- und Reisighaufen im hintersten Winkel Ihres Gartens werden nicht nur von Igeln sondern auch von anderen Nützlingen (Spitzmäuse, Kröten, Laufkäfer) bewohnt.
Gewähren Sie den Igeln Zutritt zu allen Bereichen in Ihrem Garten: Einfriedungen und Gartenzäune sollten mit einer Durchschlupfmöglichkeit ausgestattet und der Komposthaufen sollte zugänglich sein.